Der schwarze Engel

© 2003 by inga rothe


Es war einmal ein kleiner Engel, der anders war als die Anderen.
Während alle Engel bemüht waren, Liebe, Güte und Freude zu bereiten, wollte er auch die andere Seite kennenlernen. Ihm bereitete es Spaß, wenn die Menschen und besonders die Kinder weinten und sehr traurig waren.
Besonders in der Weihnachtszeit konnte er gar nicht genug bekommen, Kinder zum Weinen zu bringen. Dabei ist es doch ein Fest der Freude.

Kurz vor dem Heiligen Abend trafen sich alle Engel im großen Wolkensaal.

 

Der Älteste von ihnen hatte das Wort.
Es kamen die schlechten Seiten von dem “schwarzen” Engel, so nannte man ihn, weil er so schlimme Dinge getan hatte, zur Sprache.
Er hatte den kleinen Jonathan in einem Wald geführt und ihn da allein gelassen. Eine ganze Nacht musste der Kleine im Wald umherirren, zur Freude und Belustigung des schwarzen Engels.
Viele solche schrecklichen Sachen kamen zum Vorschein und alle Engel schauten ihn böse an.
“Was sollen wir mit ihm tun?”, fragten sie.
“So einer darf kein Engel mehr sein!”
“Nun”, sagte der Älteste, “er muss seine Strafe bekommen.”
Lange beriet man sich, was es für eine Strafe sein sollte und dann hatte Gabriel eine Idee.
“Er soll zum Fest auf der Erde leben, wie ein Menschenkind und selber erleben, wie das ist!”

Am Heiligen Abend setzten sie ihn auf die Erde ab. Es war kalt und er fror entsetzlich. Keine Menschenseele war zu sehen. Unter einer Tanne suchte er Schutz und weinte sich die Augen aus.
Plötzlich hörte er Stimmen. Ein Mann und seine Frau wollten noch schnell einen Weihnachtsbaum fällen und fanden unter den Baum den kleinen Engel, der nun ein kleines Kind war.
“Schau einmal, lieber Mann, hier liegt ein kleines Kind unter der Tanne.”

Sie nahmen es mit nach Hause. Obwohl es sehr arme Leute waren, dankten sie Gott für dieses Geschenk und teilten ihr weniges Brot mit dem Kind.
Der alte Mann bastelte schnell ein Holzpferdchen, damit er auch ein Geschenk für ihn hatte.

In kurzer Zeit stand der Weihnachtsbaum, wenn auch bescheiden geschmückt, im Wohnzimmer und strahlte eine behagliche Wärme aus.
Obwohl die Beiden kaum zu essen hatten, waren sie so voller Liebe zueinander, die sie nun auch mit dem kleinen Kind teilten.
Der schwarze Engel hatte ein ganz seltsames Gefühl. Er musste weinen und trotzdem war er glücklich.
Es wurden Geschichten aus der Bibel vorgelesen, erzählt und fröhliche Weihnachtslieder gesungen.
Heimlich flehte er seine Engelskollegen an, sie mögen doch dem alten Ehepaar etwas zu Essen schicken, aber es geschah nichts.
Nachdem er den letzten herrlichen Keks verputzt hatte, bemerkte er, das dass Ehepaar gar nichts gegessen, sondern nur so getan hatte, damit er satt wurde.

Beschämt schlief er in einem großen, kuscheligen Bett ein. Erst am nächsten Morgen stellte er fest, das Ehepaar hatte in der Scheune geschlafen und ihr Bett zu Verfügung gestellt.
Das alles gab ihm sehr zu denken. Zum Frühstück bekam er Milch und selbst gebackenes Brot, das sehr gut schmeckte. Da erst bemerkte er, das der Mann und seine Frau nichts aßen, sondern sich freuten, das es ihm schmeckte.
“ Warum esst ihr denn nicht mit mir?” , fragte er.
Die Frau schaute verlegen zum Boden und der Mann antwortete:“ Wir sind so glücklich, das es dir schmeckt und du mit unseren bescheidenen Gaben zufrieden bist, da haben wir gar keinen Hunger.”
Ungläubig schaute er sie an. Ja, sie waren sehr glücklich miteinander, aber man muss doch essen.
Er nahm die letzte Scheibe Brot, brach sie und reichte sie dem Ehepaar, mit dem Worten: “Ihr habt mich auch sehr glücklich gemacht durch eure Liebe und darum bin ich jetzt auch satt.”
Er erzählte ihnen, er sei ein Engel und versprach nun auch sofort wie ein Engel zu sein.
Er wollte auch nur noch glückliche Menschen sehen.
Draußen begann es heftig zu schneien und als der Mann vor die Tür trat, fand er dort einen Korb mit lauter leckeren Sachen. Darunter war auch eine Weihnachtsgans, die die Frau zubereitete.
Das Ehepaar weinte vor Glück und dankten dem kleinen Engel und Gott.
Als er nun wieder zum Himmel fliegen sollte, blieb er noch ein Weilchen vor dem Fenster und sah, wie sehr sich die beiden Menschen freuten.
“Ja, das ist Weihnachten, ein Fest der Freude und Liebe.”, dachte er.

 

Spuren im Schnee

© by Inga Rothe 03

Mitten im Wald entdeckte ich sie,

große und kleine Fußspuren im Schnee.

Ich machte mir Gedanken, wer konnte das sein,

Da, auch Schlittenspuren, sie schienen zusammen zu sein.

Nachdenklich folge ich den Spuren im Wald.

Es wird schon dunkel und ist bitterkalt.

Sie führen mich über einen Hügel zu einem Haus.

Schaut da nicht der Weihnachtsmann heraus?

Angekommen läd er mich freundlich ein

und ich sehe auch ein kleines Engelein.

Weihnachtlich duftend und warm in der Stube,

ich spüre einen leichten Stich in der Magengrube.

Die Weihnachtszeit ist angekommen

und hat viele in ihren Bann genommen.

Doch immer noch gibt es Menschen in Not,

viele haben noch nicht einmal ein Butterbrot.

Hungernde Kinder in fremden Ländern,

jedes Jahr Weihnachten, wir können nichts ändern.

Warum kommt einem das erst Weihnachten in den Sinn?

Warum nicht zu einer anderen Zeit, zwischendrin?

Der Weihnachtsmann schaut mich traurig an,

ein Fest der Liebe und nicht das eines Kaufswahn.

Liebe kann man sich nicht erkaufen,

das Gekaufte ist bald ein Trümmerhaufen.

Weihnachten sollte Hoffnung geben und Mut,

Harmonie verbreiten, kein Hass und keine Wut.

Menschen sollen sich vertragen wieder,

nicht umsonst sind sie so schön, die Weihnachtslieder.

 

Ich erwache aus diesem schönen Traum,

er verfolgt mich noch, als ich kaufe einen Weihnachtsbaum.

Ich wünsche Euch ein harmonisches, friedliches Fest,

und auch, das ihr die anderen Menschen nicht vergesst.

 

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